Über die Zeitschrift
Der Transfer von Wissen und evidenzbasierten Erkenntnissen ist eines der zentralen Themen wissenschaftlicher Forschung, die neue Erkenntnisse gewinnen, Probleme und Herausforderungen erkennen, erforschen und Lösungsvorschläge unterbreiten soll. Hieraus ergibt sich eine gewisse Erwartung die gewonnenen Erkenntnisse einem gesellschaftlichen Nutzen zuzuführen. Dieser Nutzen kann nicht immer direkt aus den Forschungstätigkeiten gezogen werden. Es ist darüber hinaus ein Wissenstransfer in die Gesellschaft notwendig. Ohne Transferbemühungen zur Implementierung wissenschaftlicher Erkenntnisse wären Interaktionen zwischen Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit kaum möglich.
Der Begriff des Transfers umfasst sehr unterschiedliche Komponenten. Einerseits erfüllt Transfer (1) eine eigene Funktion (funktionaler Transfer) – nämlich zwischen verschiedenen Systemen zu vermitteln, bspw. zwischen Feldern, Rechtskreisen, Institutionen, Organisationen, Menschen – andererseits ergeben sich aus Funktionalität Ansprüche an den Transfer. Zudem kann Transfer (2) im Sinne einer Wissensvermittlung linear erfolgen. Hierbei wird Wissen aus der Wissenschaft in andere Systeme transferiert ohne, dass ein Rückfluss von Informationen in die Wissenschaft entsteht. Ein Beispiel hierfür ist die Gesundheitsberichterstattung des Bundes oder die Entwicklung medizinischer Leitlinien. Im Falle eines (3) reziproken Transfers ist eine wechselseitige Kommunikation zwischen den Beteiligten notwendig. Dies kann bspw. durch die Formulierung gemeinsamer Fragestellungen geschehen und ist unter anderem in der Evaluationsforschung üblich. Bei Transfer im Sinne der (4) Ko-Produktion handelt es sich um ein Element des Transfers, das einen partizipativen Ansatz verfolgt. Gemeinsam mit allen Beteiligten soll von Beginn an Forschung so betrieben werden, dass sie umstandslos in die Praxis umgesetzt werden kann, da alle Personen und Organisationen, die für den Prozess notwendig sind, bereits eingebunden wurden. Schließlich umfasst Transfer auch eine Metaebene (5). Mittels Transferforschung können die verschiedenen Komponenten des Transfers und der Implementierung betrachtet und analysiert werden. Transferforschung befasst sich mit den Wechselprozessen, den Austauschformaten, den Interpretationen und der Übersetzung von Wissen zwischen verschiedenen Systemen.
Implementierung bezeichnet den gezielten, geplanten Prozess der Überführung von wissenschaftlich gesichertem Wissen in die alltägliche Praxis der Gesundheitsversorgung, in politische Entscheidungsprozesse sowie in die Organisation des Gesundheitssystems. Im Zentrum steht dabei nicht nur die Einführung neuer Maßnahmen, sondern deren langfristige Verankerung im Alltag von Einrichtungen, Routinen und Entscheidungsprozessen (1). Sie fördert nicht nur die Nutzung neuer, evidenzbasierter Interventionen, sondern auch die bewusste De-Implementierung veralteter oder nicht empfohlener Praktiken (2).
Orientiert sich Forschung an den praktischen Bedürfnissen von Interest Holdern, können sowohl Prozesse der Entscheidungsfindung als auch die Umsetzung von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die Praxis vereinfacht werden. In diesem Fall ist eine Einbindung der Praxis in die Themenwahl wissenschaftlicher Arbeiten geboten (3). Eine wirksame Implementierung setzt vertrauenswürdige und methodisch hochwertige Forschung voraus (4). Implementierung kann demzufolge nicht allein durch Publikationen, finanzielle Anreize oder technische Tools erreicht werden. Vielmehr bedarf es kontextspezifischer, partizipativer und empirisch fundierter Strategien, die strukturelle, personelle und kulturelle Faktoren berücksichtigen (5).
Die Implementierungsforschung hat sich in den letzten Jahren als eigenständiges Forschungsfeld etabliert. Sie untersucht Bedingungen, Strategien und Hindernisse für eine effektive Umsetzung von Wissen in Praxis und Politik. Ziel ist es, evidenzbasierte Handlungsempfehlungen für die konkrete Ausgestaltung von Umsetzungsprozessen zu entwickeln.
Die Zeitschrift für Transfer- und Implementierungsforschung im Gesundheitswesen (ZfTI) deckt die Themenbereiche Theorie und Methoden der Transfer- und Implementierungsforschung sowie der Partizipation ab. Sie spricht vor allem Forschende soziologischer, gesundheits-, sport-, ernährungs- und rehabilitationswissenschaftlicher Provenienz an, die sich insbesondere auf Meso- und Metaebene mit Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Praxis sowie zwischen Organisationen oder Institutionen des Gesundheitswesens beschäftigen.
Die ZfTI sieht sich als integraler Teil der Transfer- und Implementierungsforschung, die nicht nur inter-, sondern auch transdisziplinär ausgerichtet ist. Die Artikel richten sich an Gesundheitsforschende und sollen der Reflexion der Chancen, Herausforderungen und Barrieren des Wissenstransfers dienen. Zur Aufnahme in die Zeitschrift durchlaufen die Artikel ein transparentes offenes Peer-Review-Verfahren. Hierfür arbeitet die ZfTI mit wissenschaftlichen Gutachter:innen unterschiedlicher Fachrichtungen und Expertisen zusammen. Die Qualität des Reviewprozesses sowie der Inhalte wird darüber hinaus von einem Herausgeber:innen-Gremium und einem Expert:innenbeirat sichergestellt.
Die Artikel werden in der Regel in deutscher Sprache publiziert. Um auch internationaler Leser:innenschaft einen Einblick zu ermöglichen, werden ergänzend Titel und Abstract in englischer Sprache eingereicht. Auf Anfrage sind auch Publikationen in englischer Sprache möglich.
ISSN: 3054-3118